Dorothee Bär: Die neue Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt

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Zum 14. März 2018 ist Dorothee Bär aus der CSU zur neuen Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt berufen worden. Als Staatsministerin ohne Ministerium wurde sie schnell zum Lieblings-Interviewpartner der Medien nach den Koalitionsverhandlungen und bekam den Titel „Digitalisierungsministerin“. Als sie dann in einem dieser Interviews von „Flugtaxen“ sprach, wurden sie und ihre Äußerungen mit viel Häme auf dieses Schlagwort reduziert – völlig zu Unrecht, meiner Meinung nach.

Natürlich ist die Etablierung von Flugtaxen in Deutschland nicht die größte Not, die dieses Land zum Thema Digitalisierung aktuell beschäftigt – aber die Idee, die Frau Bär damit beschreiben wollte, nämlich, dass die Flugtaxen in Saudi-Arabien aus der Feder deutscher Ingenieure kommen und wir diese Innovationskunst auch wieder hier nach Deutschland bringen sollten, ist durchaus sinnvoll. Die meisten denken bei Digitalisierung an schnelles Internet und damit an den berühmt berüchtigten „Breitbandausbau“. Selbstverständlich wird für viele Innovationen der Digitalisierung eine schnelle Internetanbindung benötigt – aber nicht unbedingt. Digitalisierung ist mehr als nur alles in die Cloud zu „schubsen“. Schon die Vernetzung von Produktionsanlagen untereinander bzw. mit der jeweiligen Abteilung im gleichen Hause stellt schon eine Form der Digitalisierung dar – und kommt komplett ohne Internetanschluss aus. Doch selbst das ist im deutschen Mittelstand bisher nicht angekommen.

Ich durfte Frau Bär bereits auf dem ein oder anderen IT-Kongress erleben und empfand sie als kompetente Rednerin mit fundiertem Wissen. Ich finde es gut, dass wir in Deutschland nun endlich auf höchster Ebene das Thema „Digitalisierung“ verankern. Dass das Amt dann zusätzlich noch von einer Frau besetzt wird, finde ich umso besser – wird doch ständig beanstandet, dass wir im IT-Bereich noch viel zu wenige Frauen haben.

Viele Ideen, die Frau Bär anspricht, finde ich sehr gut und ich wünsche mir, dass sie die ein oder andere auch umsetzen kann. Zum Beispiel eine Lösung zum Thema „Innovation vs. Datenschutz“. Viele gute Ideen und Konzepte scheitern daran, dass man sich hinter dem Totschlagargument „Datenschutz“ versteckt. Ich würde mir von Frau Bär eine Lösung wünschen, die dem Gedanken „Country as a Service“ nahekommt: Nicht die Daten hinter hohen Mauern verstecken, sondern den Bürgern erlauben, Datensouveränität zu bekommen, d.h. Selbstbestimmung darüber, wem sie wann welche Daten zur Verfügung stellen – und zu welchem Zweck.

Lassen wir Frau Bär also ihre Arbeit aufnehmen und gewähren ihr eine Einarbeitungsfrist. Es ist sicherlich nicht leicht, ein neues Thema (Digitalisierung = #Neuland) und ein neues Amt gleichzeitig von 0 auf 100 zu bringen, besonders in dieser noch sehr analogen Regierung.